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EK VOM 28.04.2008
 

Die Heimkehr der nächtlichen Jäger
Fledermäuse kommen nach mühsamer Überwinterung auf den Dachboden der Gungoldinger Kirche
Von Maria Frauenknecht

Gungolding (EK) Ein bisschen Aufregung ist schon dabei, wenn jemand seine einen ganzen Winter lang gehegten und gepflegten Fledermäuse wieder in die Freiheit entlassen möchte und bei dieser Aktion auch noch das Fernsehen dabei ist. Das geschah am Freitagabend in der Gungoldinger Kirche.
Für das Bayerische Fernsehen hat Abendschau-Reporterin Gabi Zimmermann zusammen mit Kameramann Michael Reithmeier das Ganze beobachtet, gefilmt und immer wieder nachgefragt. Wenn man dann den Naturschützer Franz Schäffler aus Ingolstadt selber erzählen hört, fängt man erst an zu verstehen, warum er soviel Zeit, Kraft, Ideen und Idealismus in die gesamte Aktion investiert hat. Unterstützt von seiner Frau Edith hat Franz Schäffler am 24. November auf einen Anruf des Gungoldinger Mesners Josef Herzner hin 34 Fledermäuse, die im Dachgebälk der Gungoldinger Kirche allein zurückgeblieben waren, übernommen und mit viel Umsicht in seiner Garage in extra gebauten Unterkunfts-Kisten über den Winter gebracht. Dank seiner inzwischen immensen Erfahrung mit den nächtlichen Jägern gelang es dem ehrenamtlichen Naturschutzwart der Stadt Ingolstadt und Fledermausbetreuer für einen Teil des Landkreises Eichstätt, 18 Weibchen und neun Männchen so gut zu versorgen, dass berechtigte Hoffnung besteht, sie in ihrem früheren Quartier in der Pfarrkirche Gungolding wieder in die Gemeinschaft der dortigen Bestände einzugliedern. Nur dann ist Franz Schäffler zufrieden, weil sich nur dann sein Einsatz gelohnt hat, den er als „zweischneidig" bezeichnet: Muss man doch immer auch die natürliche Auslese anerkennen und mit in Betracht ziehen. Dass es ein solches Experiment würde, war für. Franz und Edith Schäffler nicht von Anfang an klar. Sie haben schon öfter Fledermäusen über den Winter geholfen. Die Gungoldinger von der Sorte „Großes Mausohr" waren allerdings noch etwas klein, und dann kam der milde Winter dazu, so dass die kleinen Säuger erst am l. Februar, also sehr spät, in den Winterschlaf fielen. Bis dahin und jetzt zur Vorbereitung auf die Rückbringaktion hat Franz Schäffler für seine Schützlinge jeden Morgen und jeden Abend jeweils eine Stunde intensive und konzentrierte Arbeit auf sich genommen, sie mit Mehlwürmern gefüttert, genau beobachtet und gepflegt. Unter dem Blick der Kamera des „Abendschau-Teams" sowie von Mesner Josef Herzner und ein paar sonstigen Interessierten, darunter auch Rudolf Pfuhler als Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Eichstätt, brachte dann Franz Schäffler seine Schützlinge in mehreren Kisten auf den Dachboden der Kirche. Dort war er eigentlich von den am Tag zuvor 400 vorhandenen Fledermäusen ausgegangen. An diesem Tag waren es aber nur noch 120, von denen er zuerst „Sozialisierungsrufe" zu orten versuchte, bevor er seine, in den langen Wintermonaten ihm doch sehr ans Herz gewachsenen Tiere in ihren normalen und angestammten Lebensraum entlassen wollte. Nachdem das aber mit dem ersten freigelassenen Männchen nicht optimal gelang, wollte er zuerst mehr abendliche Ruhe und vielleicht auch bessere Temperaturverhältnisse in den nächsten Tagen abwarten, bevor er vor allem die Weibchen der Gemeinschaft dem eigentlich größten Quartier im Altmühltal wieder anvertrauen wollte, wo sie mit den anderen mitfliegen und die Jagd kennenlernen und so in ihr natürliches Lebensfeld wieder integriert werden sollen. Die nächsten Tage werden zeigen, ob das gelungen ist. Der Bericht in der „Abendschau" des Bayerischen Fernsehens wird am heutigen Montag in der Zeit zwischen 17.35 i und 18.45 Uhr gesendet.


EK vom 23.04.2008 | EK vom 29.04.2008

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