Sehr geehrter H. Landrat, H. Altlandrat, meine Kollegen Bürgermeister und Altbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren,
die Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt ist 25 Jahre jung geblieben. Wie im Fluge ist die Zeit vergangen und es freut uns sicherlich alle, dass wir diesen Geburtstag feiern können. Geburtstage haben es so an sich, dass man ein klein wenig Bilanz zieht und insbesondere die Anfangsjahre im distanzierten Licht der „Geschichte“ betrachtet.
Wie kam es eigentlich zur Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt? Die Gemeindegebietsreform wurde 1978 abgeschlossen. Den freiwilligen Gemeindezusammenschlüssen von 1971 und 1972 folgte der mehr oder weniger „zwangsweise“ oder gesetzliche Zusammenschluss und gleichzeitig damit verbunden die Bildung von Verwaltungsgemeinschaften.
Im Amtsblatt der Regierung von Oberbayern, ausgegeben in München am 13. April 1976, steht auf Seite 43 zu lesen: Es wird eine Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt mit dem Sitz in Eichstätt gebildet. Sie umfasst folgende Mitgliedsgemeinden:
Pollenfeld Schernfeld Walting.
Diese Rechtsverordnung tritt am 1. Mai 1978 in Kraft.
Nun begann die Vorbereitung.
08.02.1977 Infoveranstaltung in Gaimersheim Innenministerium, Gemeindetag, Landrat Regler 18.04.1977 Vorbereitungsgremium
Bürgermeister Rupert Voglgsang war Vorsitzender des Vorbereitungsgremiums. Personalvorgabe 1- 2 pro Tausend Einwohner, unser heutiger geschäftsleitender Beamter, Herr Kaußler, wurde bereits zum 01.04.1978 von der Gemeinde Walting für die Verwaltungsgemeinschaft Eichstätt eingestellt.
Mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragter Gemeinschaftsvorsitzender bis zur konstituierenden Sitzung der Gemeinschaftsversammlung war der neu gewählte Bürgermeister von Walting Matthias Schroll.
Unter Vorsitz von Landrat Konrad Regler fand am 11.05.1978 die erste Sitzung der Gemeinschaftsversammlung im kleinen Sitzungssaal in, Landratsamt statt.
Alle drei Bürgermeister, nämlich Egid Späth, Pollenfeld Pius Zinner, Schernfeld Matthias Schroll, Walting
wurden zur Wahl als Gemeinschaftsvorsitzende vorgeschlagen. Keiner der Kandidaten erhielt die absolute Mehrheit, so dass zwischen Egid Späth und Matthias Schroll das Los entschied, wer in die Stichwahl kam. Aus der folgenden Stichwahl zwischen Egid Späth und Pius Zinner ging Egid Späth mit 6:4 Stimmen als Sieger hervor und war zum 1. Gemeinschaftsvorsitzenden der VG Eichstätt gewählt.
Die Mitglieder der ersten Gemeinschaftsversammlung waren
aus Pollenfeld E. Späth, Bürgermeister, geborenes Mitglied
W. Baumeister H. Wagner geborene Mitglieder Martin Forster
aus Schernfeld P. Zinner, Bürgermeister M. Häring R. Sturm seit 20.12.1978 R. Ziegelmeier
aus Walting Matthias Schroll, Bürgermeister Anton Bauer Benedikt Bittlmayer
In der Sitzung am 23.05.1984 wurde Pius Zinner zum Vorsitzenden gewählt. Das Amt des Vorsitzenden bekleidete er bis 30.04.1996. Danach wurde am 15.05.1996 Bürgermeister Hans Mayer aus Walting Gemeinschaftsvorsitzender, und seit 28.06.2002 wurde meine Wenigkeit (L. Mayinger) zum Vorsitzenden gewählt.
Aller Anfang ist schwer, und so war es auch bei uns. Zum einen mussten wir damals mit einem neuen Gebilde zurecht kommen. Zum anderen kannten sich die neuen Kolleginnen und Kollegen noch nicht so richtig, und zum dritten war der ganze Umzug eine regelrechte „Hauruck-Aktion‘. Die Firma Stibolitzki hatte die zuvor eingepackten Kisten in den Gemeindekanzleien abgeholt und in den ersten Maitagen in der neuen Geschäftsstelle der Verwaltungsgemeinschaft, Residenzplatz 2, im Gang abgestellt. Die Firma Stahl lieferte Büromöbel, und so standen wir, eine bunt zusammengewürfelte Truppe, vor einem riesigen Berg im wahrsten Sinne des Wortes an Arbeit.
Doch bald waren die Büroräume belegt, der Parteiverkehr musste abgewickelt werden. Das Vorbereitungsgremium hatte hinsichtlich Raumaufteilung an fast alles gedacht. Nur der Platz für die Registratur fehlte. Schachteln standen lange Zeit im Gang, und für die Unterbringung der Akten mussten die Bürgermeister weichen und wurden etwas spartanischer untergebracht.
Der Vorsitzende Egid Späth und ich, damals noch Verwaltungsleiter, wir teilten uns das Zimmer. Der Bürgermeister aus Schernfeld wurde im schmalen Zimmer untergebracht, und der Bürgermeister aus Walting musste mit der Steuerstelle und dem Kämmerer vorlieb nehmen. Aber die Kisten vom Gang verschwanden, und die Registratur war einigermaßen gebrauchsfähig, wenngleich statische Probleme auftraten und unsere Kollegin Heidi Haunschild sogar Stütze für die Regale war und durch couragierten Einsatz ein größeres Durcheinander vermied.
Wir begannen mit einfachen Mitteln. Eine elektrische Kugelkopfschreibmaschine war neueste Technik, die wir zum Einsatz brachten. Die EDV-Eingabe erfolgte beim Landratsamt.
Wie brachten wir die VG auf Erfolgskurs?
Die damalige Rechtslage, die einen starken VG Vorsitzenden, gerade im Bereich des Vollzugs im eigenen Wirkungskreis zur Folge gehabt hätte, wurde nicht in die Tat umgesetzt. Wir sind die ganze Sache etwas ganz anders angegangen. Die Gemeinden standen und stehen stets im Vordergrund. Eifersüchteleien, ob eine Gemeinde bevorzugt würde oder nicht, kamen deshalb auch gar nicht auf. Die Bürgermeister erledigen ihre Arbeit für ihre Gemeinde direkt mit der Verwaltung - Emanzipation. Der Bürgermeister hat immer den Eindruck, die ganze Verwaltung ist für ihn da, kein Hegemonie-Streben im Alltag gegenseitige Akzeptanz.
Ein riesiger Vorteil ist sicherlich, dass der Sitz der VG auf neutralem Boden ist. Ein ganz positiver Aspekt war gerade in der Anfangszeit der 1. Freitag, wo wir uns zur Fünferrunde außerhalb des Hauses getroffen haben, um ganz offen über betriebsinterne Themen zu sprechen.
Neben dem Standortvorteil ist sicherlich der kurze und vor allem der gute Draht zum Landratsamt und den übrigen Behörden begünstigend. Die kürzeste Verbindung war zum Vermessungsamt. Nämlich so kurz, dass am unsinnigen Donnerstag der Weg von Fenster zu Fenster mittels einer Haushaltsleiter überwunden werden konnte und ein Vermessungsbeamter mutig zu einer Flasche Sekt zum Fensterblech des Bürgermeisterzimmers balancierte und den Beutezug erfolgreich abschloss.
1986 zogen wir in unser jetziges Haus. Aber nicht aus Furcht vor weiterer Piraterie der benachbarten Behörde, sondern aus reinem Platzmangel. Es fehlte an Zimmern für die Bürgermeister, das Standesamt platzte aus allen Nähten, die Registratur war aufgeteilt in Kanzlei und Dachgeschoss. Der Kämmerer teilte das Zimmer mit der Steuer- und der Buchungsstelle. Das Trauungszimmer im Landratsamt.
Das Gebäude gehört nicht der Verwaltungsgemeinschaft, sondern steht zu je 1/3 im Eigentum einer jeden Mitgliedsgemeinde. Es ist ein reiner Zweckbau, kein Luxus doch eine ordentliche und zeitgemäße Unterbringung der Verwaltung. Die publikumsintensiven Bereiche sind im Erdgeschoss, zu den Bürgermeistern führt eine Treppe, und so kann vielleicht das Treppenhaus für manchen schon eine Beruhigung bewirkt haben.
So bescheiden das Haus bemessen ist, so knapp ist auch die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies ist möglich zum einen durch die gute Qualifikation und Motivation des Personals, und zum anderen erledigen die Bürgermeister für ihre eigene Gemeinde z. B. die Bauleitplanung, den Vollzug der Gemeinderatsbeschlüsse usw. Wir beschäftigen von der VG Eichstätt 1 Beamten des gehobenen Dienstes, H. Kaußler, sowie 8 Vollzeitbeschäftigte und 1 Teilzeitangestellte. Der Sitzungsdienst obliegt Herrn Kaußler und Herrn Roßkopf.
Dementsprechend günstig ist die VG Umlage für die Mitgliedsgemeinden. Die erste abgerechnete Umlage für ein ganzes Jahr nämlich 1979 war 22,67 DM pro Einwohner, 1992 lag die Verwaltungsumlage bei 68,-- DM/EW und 2002 bei rund 70,-- DM oder 35,-- €. In den drei Einheitsgemeinden könnten wir zu diesen Kosten keine eigene Verwaltung haben.
Wenn wir den Geburtstag einer reinen Verwaltungseinrichtung feiern, so müssen wir auch die Arbeit, die in diesem Hause geleistet wird, etwas durchleuchten.
In den vergangenen 25 Jahren wurde ein Haushaltsvolumen von annähernd einer halben Milliarde DM bewältigt. Eine riesige Summe für Gemeinden dieser Größenordnung. Dieses viele Geld hat natürlich auch viel Arbeit bereitet, die nur zu einem geringen Teil dann öffentlich wirksam und sichtbar sind.
In den 25 Jahren, seit unsere VG besteht, wurden rund 95.000 Bescheide erlassen. Dahinter steckt ein gewaltiger Aufwand zur Vorbereitung, die Grundlagen ermitteln, Satzungen erarbeiten, Hebelisten, Bescheide erstellen, kuvertieren, Anfragen, Widersprüche, Zahlungseingänge, Buchungen, Rechnungslegung, und, und, und.
Seit 1978 wurden in den Mitgliedsgemeinden 774 Bauplätze, rund 35 ha Gewerbeflächen ausgewiesen, 3 Schulen neu bzw. umgebaut, 2 Turnhallen, 2 Rathäuser, 10 Feuerwehrhäuser, 4 Kindergärten gebaut.
8 Dorferneuerungen wurden abgeschlossen, 2 Dorferneuerungsverfahren in der Startphase, 12 Straßenbaumaßnahmen einschließlich Dorfplatzgestaltungen und 19 Kanalbaumaßnahmen einschließlich Abwasserverband Altmühl-Jura.
Hier war die Verwaltung stets maßgeblich bei Vorbereitung und Abwicklung beteiligt. Beginnend von der Einbeziehung in die Grundsatzüberlegungen, Zuwendungsunterlagen erstellen, Bauakten, Zuschussabruf, Zahlung der Rechnungen, haushaltsrechtliche Überwachung bis hin zu Verwendungsnachweis und Rückgabe von Bürgschaften. Die Buchungsstelle hat insgesamt rund 250.000 Einzelfälle aus etwa 70.000 Kontoauszügen verbucht.
Die vielen An- und Abmeldungen, Rentenanträge, Wahlscheine, Gewerbeanmeldungen, Statistiken, Bodenerhebungen, Ausweis- und Passanträge, Beratungsgespräche, Lohnsteuerkarten, Hilfestellung bei Anträgen vom Einwohnermeldeamt haben einen hohen Verwaltungsaufwand gefordert. Gerade zur und nach der Zeit der Grenzöffnung kam eine wahre Flut von Anfragen auf unser EWO zu.
1.010 Paare gaben sich das Ja-Wort, 675 Sterbefälle waren zu beurkunden und 16 Hausgeburten. Die Einträge, die Ausfertigung der Urkunden, die Eintragsakten, Familienbücher, die Benachrichtigung der beteiligten Standesämter, alles interne Verwaltungsarbeit, deren Umfang niemand draußen sieht.
29 Bebauungspläne, 1 Landschaftsplan, 3 Flächennutzungspläne und mehrere Änderungsverfahren zu Bebauungsplänen, Baulandumlegungsverfahren, Grundstückskalkulationen usw. Personalverwaltung.
All das haben wir bewältigt und trotzdem die Verwaltungskosten gering gehalten.
Der Einsatz moderner Arbeitsmittel hat stets unsere Arbeit unterstützt, und wir haben immer auf aktuellsten Stand geachtet. Wir waren das 1. Standesamt im Landkreis, das Autista verwendete. Heute verfügt jeder Arbeitsplatz über dezentrales Computersystem mit Zugang zum World wide web „Internet‘.
Wir lösen aber auch praktikabel so manches Problem, selbst wenn uns das Wasser bis zum Halse steht. 1987, als ein 50-jährliches Hochwasser unseren Keller zu überfluten drohte, wurde vormittags das wichtige Archivgut einen Stock höher versetzt und Kämmerer Kaußler und Mayinger achteten mit einer Tauchpumpe in den Lichtschächten darauf, dass kein Wasser eindrang. Eine lange Nacht.
Zur Bevölkerungsentwicklung:
1978 hatten die Mitgliedsgemeinden Einwohner:
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